Vor ein paar Wochen hatte ich die einmalige Gelegenheit, einen Einblick in die Modelleria im AIGNER Headquarter in München zu erhalten und dem Feintäschnermeister Herrn Haller bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen. Dass  die Taschen aus dem Hause AIGNER nicht in kompletter Handarbeit in der Modelleria entstehen, ist bei der Stückzahl, die das Unternehmen pro Saison produzieren lässt natürlich klar. Dass AIGNER jedoch versucht jede Hand persönlich zu kennen, die an der Produktion der Cybill Bag in Italien beteiligt ist, finde ich sehr bemerkenswert! Ebenso bemerkenswert war mein kleiner, feiner Einblick in diese so traditionelle Handwerkskunst, welche die Taschen von AIGNER entstehen lässt.

 

Sei es die Reparatur eines alten Schatzes oder ein erstes Muster von Designer Christian Beck - die Modelleria ist erster Anlaufpunkt, wenn es um die Lederprodukte im Hause AIGNER geht. Heute, wie vor 50 Jahren, legt die Luxusmarke großen Wert auf manuelle Fertigung, Liebe zum Detail und anspruchsvolle Designs. Die Lederkollektionen von AIGNER verbinden den nostalgischen Charme alter Herstellungsart mit den Ansprüchen von heute. Das sieht und das fühlt man auch.

 

Ich hatte also eine Cybill Bag und einige Fragen im Gepäck. Herr Haller, ...

 

aus wie vielen Teilen besteht eine Cybill Bag in Größe M?
Ungefähr aus 40 Teilen; genau kann man das nicht sagen, weil es mehrere Möglichkeiten gibt, die Einzelteile zu zählen.

 

 Wow! Wo fängt man da in der Produktion an?
Immer von Außen nach Innen. Es gibt, was das Futter der Tasche angeht, grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Verarbeitung. So kann der Futtersack entweder in die Tasche "reingehängt" werden, indem nur eine Verbindung mit dem Korpus der Tasche am oberen Rand besteht, oder aber der Futtersack wird, wie bei der Cybill, die Sie dabei haben, komplett eingenäht. Auf diese Weise erhöht sich die Stabilität und resultierend auch die Form der Innentasche.

 

Zuvor wird jedoch das Leder sowohl hinten und vorne mit Schaumstoff aufkaschiert. Dadurch erhält unsere Cybill Bag ihre weiche Haptik. Erst ganz zum Schluss wird die Tasche zusammengenäht. Taschenproduktion funktioniert grundsätzlich zudem nur in eine Richtung. Wird etwas vergessen, muss man wieder von vorne beginnen.

 

Finaler Feinschliff ist im Fall der Cybill Bag die exklusive Kantenveredelung, bei der mit Hand eine dünne Farbschicht auf die Kanten aufgetragen wird. Dies kann keine Maschine und ist daher ein besonderes Qualitätsmerkmal der Tasche.

 

 

 Wie lange dauert die Herstellung einer Cybill Bag? Wie stark variiert die Herstellungszeit aufgrund der unterschiedlichen Größen?
Die Herstellungsdauer für eine handwerkliche Einzelanfertigung bei uns in der Modelleria beträgt etwa zwei Tage; in Serie beim Produzenten ca. fünf bis sechs Stunden. Dabei gilt es bei uns in der Modelleria zu unterscheiden, ob nach einem bereits vorhandenem Schnittmuster gefertigt wird oder dies für ein neues Modell zunächst erstellt werden muss.

 

 
Welches Leder wird für die Cybill Bag verarbeitet?
Hier wird durchgefärbtes, chromgegerbtes Rindsleder mit leichter Deckfarbenzurichtung (grobpigmentierte Farben) und Preßnarbung verwendet.

 

 

 

…  Wo kommt das Leder her?
Aus der Toskana in Italien. Wir bevorzugen kurze Transportwege, legen großen Wert auf die ausgewogene Ernährung und die Freilandhaltung der Tiere. Ist die Durchblutung der Haut gut, z.B. dadurch das sie am Hang stehen, und sie sich viel bewegen, profitiert hiervon auch das Leder für unsere Taschen.

 

 

 

Wie pflege ich meine AIGNER Tasche damit sie mir noch lange Freude bereitet?
Wir empfehlen, unsere Taschen nicht mit geöffnetem Reißverschluss am Schulterriemen zu tragen, weil sich dadurch der Korpus der Tasche verzieht. Bei Nichtgebrauch sollten Sie unsere Taschen zudem am besten im Stoffbeutel aufbewahren.

 

Wird die Tasche einmal nass, empfiehlt es sich, diese komplett anzufeuchten um unschöne Wasserränder zu umgehen.

 

Ein  bis zwei Mal im Jahr sollte man die AIGNER Tasche zudem mit einem milden Reinigungsmittel (Sattelseife o.ä.) säubern und anschließend mit einer guten Glattlederpflege pflegen. Bitte keine Schuhcreme, keine Imprägniersprays oder ähnliches verwenden! Hier darf verraten werden, dass AIGNER bald eine eigene Lederpflege auf den Markt bringen wird.

 

Wie hat sich die Herstellung im Vergleich zu früher verändert?
Es sind einige wenige maschinelle Erleichterungen dazugekommen. So werden die Teile heute maschinell gestanzt und nicht mehr von Hand geschnitten. Die Fäden sind nicht mehr aus Naturfaser, sondern aus Kunstfaser und dadurch abriebfester und farbbeständiger. Die Kantenfarben sind in wesentlich größerer Farbvielfalt erhältlich und außerdem latexhaltig, so dass ein stark geschlossenes und glattes Kantenbild möglich ist.

 

Letztendlich ersetzt jedoch keine Maschine diese traditionelle Handwerkskunst und dies rechtfertigt somit auch den Preis einer AIGNER Tasche.

 


Ist die Herstellung nachhaltiger geworden?
Nachhaltiger im Hinblick auf die Lederherstellung, ja. Im Vergleich zu früher bestehen wesentlich schärfere Umweltschutzvorschriften (Anm. d. R.: Welche AIGNER entsprechend der Richtlinien und definierten Standards erfüllt und regelmäßig vom TÜV Deutschland kontrollieren lässt), was die erlaubten Gerb-, Färbe- und Zurichtmittel betrifft. Lederherstellung bedingt einen sehr hohen Wasserverbrauch; auch hier gibt es wesentlich schärfere Vorschriften, was die Abwasserentsorgung, die Wasseraufbereitung etc. betrifft.

 

Der Handwerksberuf  des Feintäschners ist übrigens ein Lehrberuf. Wer also Leder liebt, ein Händchen für Werkzeug, Form und Farbe hat, ist bei Herrn Haller in der Modelleria in München an der richtigen Stelle. Im Moment bildet AIGNER zwei, ab September sogar drei Auszubildende zum Feintäschner bei Herrn Haller aus.

 

Ich bedanke mich recht herzlich, Herr Haller für diesen kleinen, eindrucksvollen Einblick hinter die Kulissen der Modelleria! AIGNER hat sich mir wieder ein Stück mehr ins Leder eingebrannt!